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Unser nächstes Ziel und auch gleichzeitig Ende unseres Australienaufenthaltes war Darwin. Was uns geritten hat, von dort aus weiterzufliegen, ist mir immer noch nicht so recht klar. Von unserem aktuellen Standort in den Tablelands von Atherton waren es noch 2675km. Da bei der Wegstrecke ein kleiner Umweg von knapp 1970km auch nicht groß ins Gewicht fiel, entschlossen wir uns diesen Schlenker gleich noch in unseren Roadtrip einzubauen. Liegt doch darüberhinaus ein popliger 1/1 Earthcache am Ende der Sackgasse. Der Name „The big inselberg“ lässt mich eher an meine ersten Skilanglauftouren erinnern, als an das oder den Eigentliche(n). Erst der politisch unkorrekte und eher für die Alteingessenen vertraute zweite Teil des Namens -„Ayers Rock“ lässt erahnen, in welche Richtung es uns verschlagen wird – wir fahren wieder in den Süden zum Uluru ins Outback, ins Rote Herz von Australien!
Die über dem Artikel recht unschöne und unrund prangernde Zahl, galt es zu zerlegen. Dabei wollten wir nicht die anspruchsvollere Primfaktorzerlegung anwenden, sondern eher die Methode „was wir schaffen, das fahren wir“. Darüberhinaus erkennt der geneigte Leser und Mathematiker sofort, das die Wegdistanz an sich schon eine Primzahl ist.

Bevor es losgehen sollte, schauten wir aber noch mal unser Auto ein wenig genauer an, denn irgendwo mitten in der Wüste stehen zu bleiben und Stunden auf Hilfe zu hoffen, wäre sicherlich eher unangenehm bzw. sehr warm.
Bereits bei der Übergabe war uns das unruhige und „holprige“ Laufverhalten aufgefallen. Mittlerweile hatte man sich zwar daran gewöhnt, aber mit großem Schreck stellten wir fest, dass sich das Problem immer weiter auflöst, allerdings wäre ein weiteres Fortschreiten eher ungünstig – im Mantel klaffte ein großes Loch und nur noch das Drahtgeflecht war zu sehen und hielt den Schlauch an Ort und Stelle. Okay, heutzutage scheinen die Autoreifen schlauchlos zu sein, aber unschön sieht es trotzdem aus. So konnten und wollten wir auf keinen Fall fahren und zum Glück hatten wir zwei Ersatzreifen im Mietvertrag inklusive. Schnell eine Mail an den Vermieter – es ist Ostersonntag, vor Dienstag wird da nichts. Also musste der eigentliche Ersatzreifen erstmal herhalten, bis man sich unserem Problem fachmännisch widmen konnte. In der Werkstatt stellten die Profis fest, das der andere Reifen auch nicht mehr den besten Eindruck machte, und das obwohl wir bei freihändischen „Geradeausfahrversuchen“ mit Ersatzrad schon wesentlich weiter die Spur halten konnten.

Mit neuen Vorderreifen und Unmengen an Flüssigkeit ging es dann auf große Reise. Anfangs fuhren wir den Savannah Highway, passierten die Weltdörfer mit klangvollen Namen wie Mount Surprise, Georgetown und Four Ways (upps, das waren ja schon die Hälfte aller), immer wieder auf der Suche nach bezahlbarem Sprit. Dachten wir, dass 1,49AU$/l teuer wären, wurden wir später am Ziel mit Preisen von über 2,10AU$ geschockt (Der durchschnittliche Preis war bei 1,30AU$). Mittlerweile kannten wir unsere Chica aber recht gut, so dass wir unseren Spritverbrauch bis zur nächsten Tanke recht genau kalkulieren konnten und so weitestgehend leer einrollten, in der Hoffnung, dass diese günstiger ist, als die vorherige.
Natürlich suchten wir alle Dosen am Wegesrand – es waren nur wenige und jetzt können wir stolz behaupten, dass wir Flächen mehrerer tausend Quadratkilometer komplett leer gecacht haben. Landschaftlich bot die Strecke recht wenig Abwechslung, ein Busch da, ein verdorrter Baum dort, hin und wieder ein überfahrenes Känguru und das war es schon. So wurde jede Kurve und jedes entgegenkommendes Auto gefeiert. Waren es darüberhinaus Touristen wurde diese freundlich gegrüßt. Ganz kurz zusammengefasst kann man die Strecke wie folgt beschreiben: Geradeaus, links, geradeaus, rechts, geradeaus, links, geradeaus, Alice Springs, geradeaus, rechts, Sie haben ihr Ziel auf der linken Seite erreicht! Alles in 5 Tagen und der Blinker ging auch noch.

Mein persönliches Highlight waren die Devils Marble, wenige Kilometer abseits unserer Strecke. Dies sind einfamiliengroße Granitblöcke, welche da einfach so in der Gegend rumliegen und zum Sonnenauf- und -untergang in violett-roten Farbtönen (die Farben hat es dort vermutlich an 99,99% aller Tage im Jahr) anfangen zu leuchten. Natürlich konnten wir uns dieses schicke aber auch kurze Naturschauspiel nicht entgehen lassen, bevor wir uns dem größeren und bekannteren Gesteinsbrocken im Nirgendwo widmen wollten.