alpinistische Geschichte …

…wollten wir in unseren letzten Tage noch einmal schreiben, hatten wir doch etwas Tolles bei einem singenden Bierfinkenfreund gefunden. Wir wollten noch einmal richtig Berge besteigen gehen. Natürlich denkt man bei Thailand nicht wirklich an hohe Berge, sondern eher an Strände, Full Moon Parties oder Tsunamies, aber im Norden gibt es tatsächliche Berge bis 2565m hoch. Der Doi Inthanon kann sich ohne zu schämen in eine Reihe mit Everest, Mt Blanc, Aconcagua oder der Zugspitze stellen, ist er doch der höchste Berg seines Landes.
Professionell, wie wir sind, stellten wir fest, dass der Einstiegspunkt nur 57km von unserer Unterkunft in Chiang Mai entfernt ist und eine Wegbeschreibung war auch schnell in den Weiten des Netzes gefunden – „lang, an einigen Stellen recht steil, aber prinzipiell technisch anspruchslos. In höheren Lagen ist mit raschen Wetterwechseln und asiatischen Touristen zu rechnen.“ Der Lawinenlagebericht schrieb auch nur von einem geringem Risiko und der letzte Schneefall ist mittlerweile auch schon ein halbes Jahrhundert her. Perfekte Bedingungen also – die Sache ist geritzt!
Wir beschlossen, den Berg nicht im klassischen alpinen Stil zu bezwingen, sondern im in Südostasien üblichen „äschien schteil“ – der Aufstieg und Abstieg sollte möglichst in einem Tag locker aus dem Handgelenk geschüttelt gedreht werden! Zu diesem Zwecke mussten wir unsere Ausrüstung um ein wichtiges Ausrüstungsteil ergänzen, welches glücklicherweise in Chiang Mai an jeder Ecke für ganz wenig Geld zu bekommen ist – es musste mal wieder ein Moped her. Diesmal gings für 2€ mit einer Yahama Fino (110ccm) in aller Herrgottsfrühe los. Fast neu und wie ein Dresdner Minion sah es aus – schwarz gelb und mit einem riesigen Glubschauge in der Mitte.
Allerdings geht ein Bergsteiger nicht ohne einem gutem Frühstück auf den Berg. Auch da wird einem in Chiang Mai geholfen – pünktlich um 6:58 macht ein Frühstückrestaurant auf. Ist die Öffnungszeit schon ein wenig untypisch (die Schließung ist auch so eine krumme Zeit), ist es noch untypischer, ein vernünftiges Frühstück zu bekommen – kein Pancake in all seinen Variantionen, kein Toast mit Butter und Marmelade – nein, griechisches Omelette für die Alpinistin und ein leckeres Käsefrühstück für den Herrn. Man könnte es auch so sehen, das die Resozialisierung für uns wieder begonnen hat.


Der zeitige Aufbruch beim Klettern hat auch immer etwas Gutes. Die Temperaturen sind meist recht kalt und das Eis am Gipfel ist noch gefroren, in unserem Falle schmolz der Frozen Milk Shake nicht soo schnell – schlappe 29°C früh um 7:00h waren schon ungewohnt frisch und rufen bei uns mittlerweile Gänsehaut hervor, aber zum Glück hatten wir unsere dicken Fleece, in den Tiefen der Rucksäcke ein wenig eingestaubt, wieder gefunden.
Bemerkenswertes gibt es auf den ersten Kilometern nicht zu berichten. Zahlreiche Ampeln und keine Kurven gestalteten das Nintedo-Moped-fahren recht anspruchslos, was sich am Berg recht schnell ändern sollte. Es wurde kurviger und wir knatterten meist mit Vollgas die unzähligen Serpentinen hinauf – 20% Steigung mit ~15km/h. Unseren mittlerweile gehobenen Anspruch sich von Thailändern auf dem Moped nicht überholen zu lassen, konnten wir leider so nicht mehr gerecht werden. Was auf der Ebene auch ohne Vollgas ganz gut geht, klappte trotz maximal möglicher Geschwindigkeit nicht mehr. Immer wieder wurden wir von Thailänder auf ihren Uraltmaschinen überholt – das kratzt ganz schön am Ego … und es sollte noch schlimmer werden: steile Passage, Innenkurve einer Serpentine, Moped bereits auf Anschlag – es kam, wie es kommen musste, wir blieben einfach stehen, der Motor verstummte und wir rollten fast zurück. Nur ein schneller Hüpfer des Sozius verhinderte Schlimmeres. Alleine war die Passage sowohl für den Fahrer als auch für den Läufer kein Problem mehr. Als sich die Strasse wieder ein wenig zurück neigte, ging es gemeinsam und wieder mit Vmax weiter.
Mit jedem Meter dem wir uns dem Gipfel näherten, wurde es kälter und bewölkter, so das wir knapp unterhalb von 1800m wirklich unsere Fleece aus dem Rucksack kramen mussten. Eine Taschenkontrolle ergab – sonst üblich – keinen neuen monetären Zuwachs, dafür kurzzeitig ein kleines Wärmepolster, welches nicht bis zum Gipfel reichte. Dieser war mittlerweile komplett in Wolken gehüllt, aus denen es leicht sprühte. Was wir uns so sehr immer wieder gewünscht hatten, war hier absolut unangenehm – 12°C und keine Sonne. Wir bibberten wie die Schlosshunde. Zum Glück gab es ein kleines Café, wo wir uns eine heiße Schokolade gönnten. Da die Sicht eher gegen null strebte, liefen wir noch den AngKa Naturetrail, der uns die in Thailand seltene Vegetationszone „Nebelwald“ recht anschaulich näher brachte. Da wir diese aber von Neuseeland schon recht gut kannten und uns ziemlich kalt war, spurteten wir eher über die vereisten regennassen Holzplanken. Trotz der ungewohnten Höhenluft verlief der lange Abstieg komplikationsfrei und endete stilgerecht im Restaurant mit noch ein paar gefundenen Tupperdosen.