Whanganui

Unser letzter Great Walk für diesen Neuseelandaufenthalt war eigentlich gar kein Walk. Wir wollten diesen gern per Kanu zurücklegen. Das ist auch üblich, denn es ist ein Fluss ;). Die kommenden drei Tage mieteten wir uns also ein Kanu und die entsprechende Ausrüstung dazu. Wir wurden 8Uhr abgeholt und waren die einzigen. Zumindest bei diesem Verleiher, ansonsten waren natürlich noch mehr Leute unterwegs. Wir bekamen eine Karte, die nicht mehr zu erkennen war, weil sie nass war. Aber wir würden das schon meistern…meist ging der Fluss ja in eine Richtung ;). Wir paddelten also in Whakahoro los. So wie wir uns das gedacht hatten, mit treiben lassen ging, es allerdings nicht. Man musste schon ordentlich paddeln, dass man vorwärts kam. Am ersten Tag hatten wir immerhin gleich die längste Etappe mit 37,5km vor uns. So paddelten wir vor uns hin. Am ersten Campinplatz nach 2h legten wir mal an um einen Cache zu suchen. Der hat die höchste Geländeschwierigkeit…man kommt halt nur mit dem Boot ran. Hier holten uns schon einige Boote ein, die wir auch immer wieder sehen sollten. Wir kamen mit Steffen und Lutz ins Gespräch. Die beiden Deutschen machten die gleiche Tour mit den gleichen Übernachtungsplätzen, nur statt zelten übernachteten sie in den Hütten. Mit ihnen hatten wir viel Spaß. Sie sind übrigens auch Geocacher. Wir ließen uns mal zusammen ein wenig treiben…am Nachmittag hatte keiner mehr viel Lust, stressig zu paddeln ;). Der Fluß lies es auch zu… es kamen immermal kleine Stromschnellen, die wir aber elegant mit drüberpaddeln meisterten. Am Zeltplatz angekommen, stellten wir das Zelt auf und lernten dort Christina und Michael kennen, mit denen wir ebenfalls die nächsten zwei Tage immer wieder ins Gespräch kamen. Wir nutzten die Sonne, um im Fluß baden zu gehen. Die Sandfliegen waren wieder lästig und trotzdem aßen wir draußen unsere Nudeln.

Am nächsten Tag lagen 26,5km vor uns. Gleich wie am Vortag paddelten wir vor uns hin ohne spektakuläre Schwierigkeiten. Die Landschaft änderte sich auch nicht viel. Es war schön grün, mal kamen Felswände zum Vorschein, dann plätscherten kleine Wasserfälle von der Seite in den Whanganui. Und es war herrlich still. Nur ein paar Vögel zwitscherten hin und wieder. Wiederrum nach 2h Paddelzeit kamen wir zur Bridge to Nowhere (Brücke ins Nichts). Hier stiegen wir aus, da das das Highlight am heutigen Tag war. Auf eine halbstündigen Wanderung das Tal hinter konnte man sich die Beine vertreten und kam an der Brücke raus. Diese wurde gebaut, als Leute versucht haben, in dieser Abgeschiedenheit zu leben in der Annahme, dass bald eine Verbindungsstraße als Anschluss an die Zivilisation gebaut wird. Das blieb aber aus und so verließen die Leute nach und nach die Region und die Brücke blieb übrig. Wir hatten ein wenig Mühe, wieder ins Boot zu kommen, da es eingeparkt war durch die vielen anderen Kanus. Zwei Stunden später erreichten wir unseren heutigen Zeltplatz. Wir errichteten erneut unser Zelt und gingen schwimmen…so sauber waren wir wahrscheinlich noch nie ;). Heute hatten übrigens zwei Mädels es geschafft, ihr Boot zu schrotten. Wie genau das von statten ging, wissen wir aber nicht. Ob nun das Jetboat Schuld war, oder sie nur danach transportiert hat, bleibt ihr Geheimnis. Den Abend verbrachten wir mit Essen und mit nettem Erfahrungsaustausch mit Steffen und Lutz. Es war schon Dunkel, als wir ins Zelt gingen.

Der letzte Tag unserer Paddeltour hatte es in sich. Wir hatten noch 4 Stunden paddeln vor uns mit 3er Stromschnellen. Und keiner wollte der erste sein. Schließlich waren wir vorn, weil alle irgendwo anlandeten, weil sie irgendwas rausholen oder auf Toilette mussten ;). Wir machten die erste Stromschnell von Weitem aus und hielten vorher noch einmal an um die Lage zu peilen. Sah gar nicht so schwierig aus, war es auch nicht. Wir schipperten gewohnt durch, es spritze ein wenig mehr und dann wars das schon. Nach ein wenig Zeit kam die zweite Stromschnelle. Christina und Michael ließen uns den Vortritt. Diese sah schon etwas spritziger aus. Bei Niedrigwasser (was wir jetzt haben) hat sie stehende Wellen. Wir suchten uns kurz die ideale Linie raus und dann rein ins Vergnügen. Es schwappte vorn rein. Es war beeindruckend. Mein Paddeln setzte sogleich aus, was der Fehler war. Ich war so überwältigt von den Wassermassen, dass ich mir das von Nahem „ansehen“ musste. Wir kippten. Eigentlich recht angenehm bei den Temperaturen, mussten wir nun unsere Paddel und vor allem das Boot festhalten. Und wir sahen auch noch, dass die anderen beiden nicht gekippt waren. Super. Irgendwie strengte sich keiner außer uns an, aber wir kippten… Naja. Kanufahren in Neuseeland ist eben doch was anderes als Raften in Sibirien ;). Wir schwammen mit dem Boot zur Seite. Die Tonnen waren ja zum Glück festgebunden. Das einzige was fehlte, war unser Schöpfer. Christina und Michael halfen uns, das Boot umzudrehen und so das Wasser rauszuschütten. Wir hatten schon alles wieder trocken gelegt, als Steffen und Lutz es uns gleich taten. So standen wir zu sechst da und leerten auch ihr Kanu aus. Unseren Schöpfer fanden wir bald wieder und so ging es mit nassen Klamotten weiter. Jetzt wurden die Schwierigkeiten eher der Natur, dass es zu wenig Wasser gab und wir suchen mussten, wo die tiefste Stelle ist, um nicht aufzusetzen. Wir kamen aber überall gut durch und erreichten gegen 13Uhr Pipiriki, wo auch schon unser Abholservice auf uns wartete. Wir verabschiedeten uns noch von den anderen, tauschen Emailadressen aus und ab ging es wieder nach Owhango, wo Gerda auf uns wartete.