Santa Cruz Trek – Tag 5

Der letzte Tag unser Wanderung stand bevor. Kurz und knackig war das Tagesmotto – nicht kurzer Rock und knackiger Pops, sondern rund zehn Kilometer Strecke bei rund 1300 Höhenmeter im Abstieg. Aufsteigen wöllten wir das nicht. Um der Mittagshitze zu entgehen ging es wieder zeitig los. Immer in Sichtweite des mittlerweile zu einem ansehnlich großen Baches ging es die ersten Kilometer recht harmlos los. Das große Erwachen war aber immer in Sichtweite. Am Punkt wo sich das Tal canyonartig verengt, war der Punkt, wo es abwärts geht. Mit jedem Schritt kam er näher und irgendwann ging es abwärts. Kann man eigentlich tiefenkrank, durch zu schnelles absteigen, werden. Hier wäre auf jeden Fall ein gutes Testgebiet. Glücklicherweise präsentierte sich die Vegetation immer vielseitiger und immer mehr Bäumchen spendeten Schatten. Nicht desto trotz glühten uns die Fusssohlen und die Knie waren weich als wir glücklich im Zielort ankamen.
Vor Ort wurden wir schon von der lokalen Taxigesellschaft erwartet. Da wir heute die einzigen Trekker im Abstieg waren, ging es gleich los. Der Preis war akzeptabel und die Aussicht beizeiten wieder in Huaraz zu sein, war verlockend. Die Pizza und der erste peruanische Cache rief. Keine 100m nach Abfahrt wurde schon der erste zusätzliche Fahrgast eingeladen, später eine weitere Person und dann noch ein lokales Päarchen in den Kofferraum verfrachtet. Anscheinend war aber das Motto des Taxis „im kleinsten Auto ist für jederman Platz“. Letztendlich fuhren wir zu Spitzenzeiten zu neunt in einem in Deutschland nicht mehr durch den TÜV kommenden Toyota weitere 1000Hm hinab.

Santa Cruz Trek – Tag 4

Der neue Tag begann mit einem „Boah eh, wie geil is das den“. Blauer Himmel und die Sonne war gerade im Begriff aufzugehen. All die Berge, welche wir in den letzten beiden Tag sehen wollten, glänzten um uns um die Wette. Zuerst färbten sich die höchsten Spitzen orangegelb – zwar schon viele Male gesehen, aber immer wieder schön – bevor auch unser Zelt durch die wärmenden Sonnenstrahlen erreicht wurde. Unzählige Fotos wurden schon vor dem Frühstück geschossen. Spontan beschlossen wir noch einmal zur Lagune des gestrigen Tages aufzusteigen – gutes Wetter ist Motivation genug – schnell war das Frühstück verdrückt und noch schneller die Rucksäcke gepackt. Erste Wolken im Pass versprachen nichts Gutes, die Spitzen der 6000er waren bereits schon wieder in Wolken gehüllt. Wir liesen uns nicht abhalten, versteckten die Rucksäcken und stiegen das schöne Hochtal wieder auf. An der Lagune angekommen, mussten wir uns eingestehen, daß sich das Wetter im Hochgebirge wirklich sehr schnell ändern kann. Schlechter als gestern war das Wetter geworden, von den Gletschern war weit und breit nichts zu sehen. Wir ließen uns aber die Laune nicht verderben – Alpamayo gesehen, was will man mehr (okay besteigen könnte man ihn noch). Lange blieben wir diesmal nicht, eine wenig spannende Tagesetappe durch ein durch einen gigantischen Bergsturz geprägtes Tal stand noch bevor. Kein Stein bot Abwechlsung fürs Auge der feine Sand erschwerte das Laufen ungemein in diesem Abschnitt. Je weiter wir uns vom Pass entfernten, desto schöner wurde auch das Wetter. Neben der Monotonie der Landschaft, kam jetzt auch noch die unbarmherzige Sonne hinzu. Glücklichweise hatte der Bergschrund nicht das gesamte Tal verwüstet und so wurde es am Nachmittag auch wieder ein wenig grüner und wir fanden einen schicken Zeltplatz auf einer Wiese mit Privatboulder.

Santa Cruz Trek – Tag 3

Um den heutigen Sonnenaufgang nicht zu verpassen, sind wir am gestrigen Abend schon zeitig ins Bett gegangen. Die nächtliche Frostnase versprach Gutes. Ein Blick aus dem Zelt gegen 5:30h brachte aber Ernüchterung. Wieder waberte eine graue Masse um die Gipfel – ausschlafen war angesagt. Diesmal wurde das Problem also nicht ausgesessen, sondern ausgelegen. Gegen 10h sah es nicht danach aus, das sich was ändern würde und wir beschlossen einen Tag hier abzuwarten, vielleicht haben wir morgen früh ja Glück. Nichts tun, geht bekanntermassen nicht und Ziel sollte immer sein, Wunde stellen gleichmässig über den gesamten Körper verteilen. Nicht nur der Rücken sollte schmerzen [Memo: Silvia für eine Massage überreden], sondern auch die Füsse sollten wieder ein wenig glühen. So entschloß ich zur Lagune Arhueychocha aufzubrechen und vielleicht hab ich ja Glück, das Wetter bessert sich und ich kann einen Blick auf den schönsten Berg der Welt „Nevado Alpamaya“ (5947m) werfen, liegt das Basecamp für die Südseite doch auf dem Weg zu dieser. Bekanntermassen haben zwei Dumme meist den gleichen Gedanken und so ging es gemeinsam mit Todd los. Silvia wollte sich lieber noch ein wenig von den Anstrengungen vom gestrigen Tag erholen.
Glücklicherweise fanden wir einen Weg, der nicht so viele Höhenmeter uns abstiegen lies, bevor wir in ein amphieartiges Hochtal einbogen. Zu unseren Füssen und den sich aus der Wolkendecke hervortretenden Gletscherzungen lag eine saftig grüne Wiese – was für ein Panorama muss das sein, wenn hier die Sonne lacht. Uns empfing eine kalte Brise von den Gletschern – zum Glück gab es nicht viel zu sehen, so das es gleich zum eigentlichen Tagesziel weiterging. Das Basecamp lag recht idyllisch in einem kleinen Wald am Fusse des Alpamaya. Ein kleines Refugio ließ es recht annehmlich erscheinen. Allerdings machten die zwei Gipfelaspiranten vor Ort nicht so einen glücklichen Eindruck und wenn ich mir das Wetter der letzten Tage revue passieren lasse, kann ich es verstehen. Das letzte Hindernis war nur noch Formsache und die wenigen Meter zur Lagune über die Endmoräne waren auch bald geschafft. Spektulär kalbte ein Gletscher direkt in die türkisfarbene Lagune. An einer windgeschützten Ecke konnten wir unser wohlverdientes Mittagessen geniessen und ein paar Reisetipps austauschen. Das Panorama blieb uns trotz ausharren mehrerer Stunden verwehrt.

Santa Cruz Trek – Tag 2

Der zweite Tag schien wettertechnisch leider nicht besser zu werden, dafür aber kulinarisch! Die Säure schien gute Arbeit geleistet zu haben und der Kocher hätte in der Sonne geglänzt, wenn sie denn sichtbar gewesen wäre. Hinter einer dicken Wolkenschicht schien sie sich wieder gemeinsam mit den Gletschern zu verstecken. Meine Motivation loszulaufen war nicht gerade hoch. Zum Glück konnte ich mich ein wenig länger mit Packen und Zusammenbasteln des Kochers beschäftigen, so dass ich als Letzter vom Lager loskam und den Weg für mich alleine hatte. Zu sehen gab es anfangs leider nicht viel, so hatte ich die Letzten und Silvia recht schnell wieder ein. Während unserer Mittagspause gesellte sich Todd hinzu, der eigentlich Bergführer in Alaska war, aber aufgrund vieler nerviger Clienten den Job geschmissen hat und jetzt lieber alleine die Natur geniesst. Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile und beobachteten ein Gruppe von 15 Personen, welche ein extrem steiles Geröllfeld unterhalb der Gletscher querten. Selbst die lokalen Guides, welche die Strecke seit Jahren mehrmals die Woche laufen, hatten so etwas Verrücktes bis dato nicht gesehen. So wie die Gruppe sich bewegte schien sie nicht Plan zu haben, was sie da taten – Bruder Leichtsinn war vermutlich der Chef von Ihnen. Während unseres Aufstieges zum Punta Union konnten wir sehr gut beobachten, wie sie sich langsam vorantasteten. So verging unser Aufstieg recht schnell und kurz bevor wir den höchsten Punkt erreichten, erreichte die Gruppe selbigen ebenso. Auf der anderen Seite des Passes sollte eigentlich die Sonne auf uns warten, allerdings schien sie auch hier schon wieder Feierabend zu haben. Schnell noch die Passfotos und Panoramas geschossen, bevor wieder alles im grauen Einheitsbrei verschwindet und langsam an den Abstieg denken. Schlappe 1300Hm hieß es jetzt wieder abzusteigen. Zum Glück war der Tag noch nicht so weit fortgeschritten, so daß wir uns Zeit lassen konnten und die paar Aussichten geniessen konnten. Am späten Nachmittag erreichten wir den heutigen Zeltplatz, wo die ganzen kommerziellen Touren die guten Plätze in Anspruch nahmen. So blieb uns nur ein windanfälliger, aber mit potentieller Aussicht übrig. Da heute beides nicht präsent war, nutzten wir dies gleich, um ein nachmittägliches Nickerchen vor dem Zelt zu geniessen und seit Langem mal wieder vor dem Zelt zu essen. Die Phosphorsäure hatte beste Dienste verrichtet und der Kocher brachte das Wasser wieder in gewohnter Zeit zum kochen. Natürlich wäre das koffeinhaltige Getränk auch passend zum Abendbrot gewesen.

Santa Cruz Trek – Tag 1

Da wir nicht nur zum Sightseeing unterwegs sein wollten, musste jetzt auch mal wieder eine kleine Wanderung gemacht werden. In unzähligen „Best of“ – Listen war der Santa Cruz Trek immer vertreten. Neben den schicken Aussichten auf schneebedeckte Berge soll er noch einen weiteren Höhenpunkt zu bieten haben. Einen Pass – „Punta Union“ – mit 4850m; eine Höhe, welche wir beide bisher noch nie trekkenderweise erreicht hatten, wobei es natürlich auch nicht sooo viele Möglichkeiten gibt. Nach einer erholsamen Nacht auf der Zwiebelwiese klingelte der Wecker recht zeitig. Die Sonne schien schon und es versprach ein schöner Tag zu werden. Gegen 8h sollte ein Bus kommen, der uns über die Passhöhe nach Vaqueria bringen sollte – Luftlinien keine 5km, aber zwischendurch  geht’s noch mal knapp 1000m hinauf. Als Deutscher steht man ja bekanntermassen pünktlichst an der Haltestelle in froher Erwartung eines ebenso pünktlichen Busses. Wenn dann 20min nach geplanter Abfahrt bis auf ein paar dumm daher schauende Kühe immer noch nichts vorbei oder gar in Sichtweite gekommen ist, fragt man sich natürlich, warum man den so zeitig aufgestanden ist. Nach einer dreiviertel Stunde kam dann doch tatsächlich ein Bus und wir hatten auch noch Glück, dass ein israelisches Pärchen heute zur Lagune 69 wollte und wir so den angewärmten Sitz übernehmen konnten.

Langsam aber stetig und in immer kürzer und enger werdenden Serpentinen wand sich die Strasse hinauf zu Passhöhe. Fast keine Wolke verdeckte die gestern noch in Wolken gehüllten Berge. Ein Traum in Weiss mit dem Kontrast zum tiefblauen Himmel. Schön konnte man die Route auf den Pisco und den Weg zur Lagune 69 erkennen. Auf der Passhöhe war es vorbei mit den Gletschern, nur noch Geröll und ein paar Matten prägten das Landschaftsbild. So konnte man noch ein paar Minuten Schlaf nachholen, bevor es den schweren Rucksack zu schleppen hiess. Allerdings musste vorher noch ein wenig Phosphorsäure organisiert werden – alles kein Problem, auch nicht in einem 50 Seelendorf in Peru.

Der Start der Wanderung begann auf ca. 3300m. Allerdings durften wir erst einmal noch 300m absteigen und durchs Dorf spazieren. Die Einheimischen waren die Touristenmassen gewöhnt, grüßten freundlich und staunten nicht schlecht, als wir meinten, das wir unsere eigenen Esel sind und unsere Rucksäcke selber tragen. Nachdem wir im Park registriert waren, waren wir alleine. Die kommerziellen Touren sollten erst ca. 2h später starten, hatten sie doch den „weiteren“ Anfahrtsweg. Wieder ging es gemütlich das Tal hinauf, Steilstufen wechselten sich mit grünen Wiesen, auf denen ein paar dünne Kühe und Schafe gemütlich ihr Gras kauten. Da das nächste Lager in ca. 5h erreichbar sein sollte, liessen wir uns Zeit und genossen die Atmosphäre und sorgten uns um die aufziehenden Wolken. Am Lagerplatz war es dann soweit – es regnete. Schade, eigentlich wollte ich doch noch schnell auf den kleinen Hausberg um Fotos zu machen. Auch gut, hieß es doch heute leider wieder dem Wasser beim Kochen gut zuzureden – die Putzaktion sollte erst danach erfolgen. Wieder dauerte es eine geschlagene Stunde, bis das Wasser heiß war und wir an unsere verdiente warme Mahlzeit kamen. Diesmal schmeckte es sogar wieder und der Regen hatte auch wieder aufgehört. Wenigstens konnte so noch die Hausmoräne, während des Zähneputzens, bestiegen werden – okay das Putzen dauerte ein weeenig länger. Abschließende Tageshandlung war das Phosphorsäurenopferritual, welches unter lautstarkem Fluchen über die schmutzigen Finger und die verschwenderische Verwendung des guten Getränkes stattfand.