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Hanoi, 2. Teil

4Uhr hat selbst in einer Hauptstadt wie Hanoi noch nichts geöffnet. Wir wollten nicht noch eine Nacht in der Stadt bleiben, denn 19Uhr ging unser Nachtbus nach Laos. So hatten wir auch kein Hotel, wo wir unser Gepäck für den Tag abstellen konnten und mussten warten, bis wir das beim Busticketverkäufer tun konnten. Wir entschieden uns für eine Bank am Hoan Kiem See und waren gespannt, ob die angekündigten Thai Chi Gruppen auftauchen würden, die im Reiseführer beschrieben waren. Zuerst kam allerdings eine Prostituierte, die sich demonstrativ vor uns platzierte und anscheinend auf Touristen aus war. Als nämlich ein anderes Pärchen gelaufen kam, waren wir plötzlich außer Mode.
Als nächstes erschienen immer mehr Walker und Jogger. Sie drehten ihre Runden um den See und einige von ihnen legten Kräftigungsübungen am Bauzaun ein. Als es schon langsam hell wurde, kamen schließlich die Thai Chi und sonstigen Gymnastikgruppen mit ihrem Kassettenrekorder.
Gegen 7Uhr öffnete das erste Kaffee am Platz, in das wir uns auch gleich begaben. Während des Frühstücks kam noch eine Fernsehproduktion vorbei…ein spannender Morgen.
Nun war auch die Zeit gekommen, das wir unsere großen Rucksäcke bei der Agentur abstellen konnten, mit der wir die Weiterreise gebucht hatten. So frei wie wir jetzt waren, stürzten wir uns in den Shoppingtrubel. Es gab ein super süßes Plüschschaf für die kleine Pauline (mehr dazu im Vientiane-Beitrag), eine kurze Hose und T-Shirts für André. Nach einem weiteren Eikaffee und -kakao war es bereits später Mittag und wir setzten uns in ein Restaurant, um die Zeit zu überbrücken. 16Uhr sollten wir für den Bus bereit sein. 17Uhr wurden wir per Pick up (allerdings zu Fuß) zum Zubringerbus gebracht, der nach versprochenen fünf Minuten tatsächlich auch 45 Minuten später kam. Mit diesem fuhren wir durch den Nachmittagsstau zum Busbahnhof und stiegen in den richtigen Bus um, der 19Uhr startete…wir haben also wahnsinnige drei Stunden gebraucht, um im richtigen Bus zu sitzen.

 

Sa Pa

Wir hatten ja eigentlich nach dem Desaster vom Salkantaytrek genug von geführten Trekkingtouren. Aber in Laos und auch Vietnam kann man sich nicht ungefährdet frei bewegen wegen der Überreste der Vietnamkriege (mehr dazu später) und man wüsste auch gar nicht wohin wegen mangelndem Kartenmaterial. Also buchten wir eine zweitägige Trekkingtour nach Sa Pa ganz im Norden von Vietnam im Bergland. Mit dem Nachtbus ging es von Hanoi dort hin. Wir kamen 6Uhr an. Keiner wusste so recht Bescheid, was nun passierte und so warteten wir. Und tatsächlich kam ein Taxifahrer, der eine Liste mit unserem Namen drauf hatte. Er brachte uns in ein Hotel, wo es anderthalb Stunden später Frühstück gab und nochmal eine Stunde später unser englischsprachiger Guide uns abholen sollte. Der Guide war dann Zo, ein nettes Mädel aus einem der Bergdörfer. Sie konnte ganz gut Englisch. Allerdings auch nicht viel mehr als die Standardsätze. Wir liefen in einer Gruppe aus zehn Leuten los, der älteste vermutlich 25. Der erste Abschnitt führte uns ins Tal hinter Sa Pa hinab. Und hinab war hier sehr steil hinab. Noch dazu war der Schlamm sehr glitschig. Aber kein Problem…die vielen Frauen aus den Dörfern, die uns schon von Anfang an umkreisten wie Satelliten die Erde, waren sofort zur Stelle und reichten einem die Hand. Jeder hatte anscheinend eine abbekommen…wir sträubten uns und konnten uns auch erfolgreich drücken. Als wir nämlich unten angekommen, ein Stück im Tal weiter gelaufen waren und es nun ans Mittagessen ging, ging’s ans Abkassieren…sie wollten einem ihre Handwerksarbeiten verkaufen. Die wunderschönen Textilien waren allerdings maßlos überteuert. „Aber ich hab doch den ganzen Weg deine Hand gehalten.“ hieß es dann. Uns nervte es…wenn ich etwas kaufen will, dann tu ich das. Aber nicht gezwungenermaßen.
Nach dem Mittag ging’s noch eine Stunde durch die wunderbar grünen Reisfelder und durch Dörfer, bis wir in unserem Homestay ankamen. Wir wohnten zu 19. bei einer Familie. Wir hatten nun wieder viiiel Zeit bis zum Abendbrot. Wir unterhielten uns und ich machte ein Nickerchen, weil die letzte Nacht nicht so voller Schlaf war. Das Essen war sehr lecker und danach gab es noch Reisschnaps…auch sehr gut, wenn auch stark. Bisher hatten wir ja immer Glück mit den Gruppen. Diesmal waren wir nicht so froh. Wir wissen nicht, obs am Alter lag oder daran, dass man bei den Englisch-muttersprachlern abgeschrieben war, sobald ein anderer Englisch-muttersprachler da war… Mit Irina verstanden wir uns super. Sie war die Einzige, die nicht englisch war.

 

André wachte verquollen auf. Wahrscheinlich eine Reaktion auf die Milben oder den übelsten Staub auf dem Oberboden, wo wir im Matrazenlager schliefen. Es wurde zum Glück tagsüber besser. 8.30Uhr gab es Frühstück, 10Uhr liefen wir los. Wir entschieden uns für die Straßenvariante, da es morgens wieder geregnet hatte und die Weißschuhträger keine Lust auf eine neue Rutschpartie hatten. Wir liefen bis zu einem Aussichtspunkt, warteten, liefen zum Mittagessen 12Uhr und dann ging es mit dem Bus Richtung Sa Pa. Nicht wirklich viel Trekking. Der Nachmittag war Freizeit bis 19.30Uhr, als es im Hotel Essen gab. Wir liehen uns ein Moped und fuhren zum Silberwasserfall, weil wir dort einen FTF machen wollten, leider ohne Erfolg. Die restliche Zeit schlenderten wir durch die Stadt und ließen uns einen Drink in einem Restaurant schmecken. Nach dem Abendessen fuhr uns der Taxifahrer zum Busbahnhof, wo wir noch eine Stunde vorm Bus warteten, bis wir reingelassen wurden. 10Uhr fuhren wir los und waren 4Uhr in Hanoi.

Die Tour bestand also primär aus Warten und Verkaufsshow. Wir vermuteten ja fast, dass der erste schlammige Abstieg auch zur Verkaufstaktik gehörte…Die Landschaft hat uns super gefallen, aber wie ihr schon am Text erkennen könnt, waren zu viele Sachen einfach schlecht. Inklusive den nicht vorhandenen Erläuterungen von Zo zum Programm, der Landschaft, den Minderheiten die in den Dörfern leben, usw.
Schade, aber das bestätigte uns wieder einmal unseren Eindruck für gebuchte Touren…

 

Hanoi

Unser Hotel in Hanoi fanden wir nur mit Mühen, da die Verortung im Internet falsch war, ein Schild auf der Straße in einen Hinterhof führte und am richtigen Hotel ein anderer Name stand. Da wir drei Tage Zeit hatten, mussten wir nicht hetzen um alles zu sehen. Wir begannen am Hoan Kiem See. Am südlichen Ende der Altstadt befindet sich die kleine grüne (oder eher blaue) Oase. Im See soll eine riesige Schildkröte leben. Ein zweites Exemplar, welches tot aus dem See geborgen wurde, sahen wir uns im Jadebergtempel an. Wir folgten dem Werk der Richtung Süden und besuchten das französische Viertel. Unser Weg zurück führte an der Kathedrale vorbei und durch ein paar der North Face Läden, die vermutlich fast alle gefälschte „echte“ Ware verkauften. Wir schlenderten durch die Altstadtgassen, in denen es wie in Südamerika Bereiche gibt, in denen eine Sorte Ware verkauft wird. So gibt es z.B. eine Metallwarenecke, eine Spielwarenstrasse und eine Kurzwarengasse. Den Tag beschlossen wir mit einem Besuch in der Wasserpuppenshow ab. Das ist ein kulturelles Highlight in Hanoi und somit fast Pflichtveranstaltung ;).

Den zweite Tag in Hanoi verbrachten wir eher im Norden der Altstadt. Wir besuchten den Literaturtempel, der einmal die erste Universität Hanois war und erst später zum Tempel erklärt wurde. Weiter ging es für uns zum Ho Chi Minh Mausoleum, was aber schon geschlossen hatte. Machte aber nix,weil wir sowieso nicht reinwollten. Genauso war das Ho Chi Minh Museum bereits zu. Wir sahen die Einsäulenpagode und liefen weiter bis zum botanischen Garten. Dort gab es einen Geocache für uns. Da wir bereit viel gelaufen waren, besuchten wir nur noch die Quan-Thanh-Pagode und dann ging’s zurück ins Hotel.

Der letzte Tag war noch entspannter als die beiden zuvor. Wir wollten im Süden zwei Caches suchen. Das taten wir auch, fanden aber keinen einzigen. In der Altstadt gingen wir einen Eikaffee trinken…sehr lecker und sehr süß. Nach dem Besuch eines typischen alten Hanoier Röhrenhauses warteten wir auf den Nachtbus nach Sa Pa.

Halongbucht

Wir taten uns mit der Entscheidung schwer, ob wir noch eine Tour mit Übernachtung auf dem Boot oder eine Tagestour machen sollten. Wir wählten letzteres und legten mit einem Boot morgens im Hafen ab. Die Gruppe war wie am Tag zuvor gut zusammengewürfelt, so dass wir ne Menge Spaß hatten. Heute war das Wetter auch besser, am Vormittag schien sogar die Sonne. Wir passierten erneut viele schwimmende Häuser und etliche Inseln auf unserem Weg in die nördlich der Lan Ha Bay liegende Halongbucht. Dort legte unser Boot an einem Fischerhaus an und wir stiegen erneut in Kayaks um. Auf eigene Faust und ohne Schwimmwesten konnten wir die Gegend erkunden. Es gab einen großen und einen kleinen Tunnel, durch die wir fuhren und wir sahen tolle Quallen und rote Algen. Nach dem Mittagessen an Bord ging es zurück Richtung Cat Ba. Unterwegs gab es noch einen Stopp zum Schnorcheln, was sich schnell als sinnlos herausstellte. Es war jetzt wieder bewölkt und das milchige Wasser tat sein Übriges, dass man keine 20cm weit sehen konnte. Wir schwammen also bissl rum und gingen dann wieder an Bord. Der letzte Halt war Monkey Island. Hier leben Affen, die ähnlich wie am Ulu Watu auf Indonesien die Leute beklauen und agressiv werden. Nicht so schön. Eine kleine Gruppe von uns bestiegen stattdessen einen Aussichtspunkt. Dabei war schon klettern angesagt…für einige nicht so einfach in Flip Flops. Man hat von oben einen traumhaften Blick auf den Strand, den wir im Anschluss noch nutzten, um uns den vielen Schweiß vom Aufstieg abzuwaschen. Dann war der schöne Tag schon wieder rum. Die Tour war jetzt nicht so berauschend, aber die Leute haben’s wieder wett gemacht :).

 

Lan Ha Bay

Ein Besuch der Halongbucht ohne Wassertour wäre nichts. Wir entschieden uns zuerst für eine Kayaktour. Gebucht bei einer nicht einheimischen Agentur, hatten wir den Vorteil von zwei wirklich englischsprachigen Guides. Denn auch wenn damit immer geworben wird, können die meisten dann nur ihre auswendig gelernten Sätze und wenn man etwas fragt, bekommt man ein nettes Lächeln und irgendeine Antwort, aber nicht auf die Frage, die man gestellt hat. Wir starteten mit einem größeren Boot, dass uns in die Lan Ha Bay brachte, wo wir auf die Kayaks umsteigen. Mit sieben ebensolchen paddelten wir zwischen den mehr oder weniger großen Inseln umher. Wir sahen viele der schwimmenden Häuser, die auf Styropor lagern (welches später die Strände verseucht), Fischer und einsame Sandstrände. Wir paddelten auch durch einen Tunnel und erreichten eine kleine, wunderschöne Lagune. Zwei mutige Jungs gingen baden. Wir anderen verkniffen es uns wohl, weil wir nicht wussten, ob wir den Wiedereinstieg ins Boot schaffen würden, oder weil es einfach zu frisch war. Es hatte nämlich wieder angefangen zu regnen und es wehte ein kühler Wind, der es unangenehm machen würde, sobald man richtig nass ist. Zum Mittag ging es zurück aufs große Boot, wo die Klettergruppe fürs Mittagessen zu uns stieß. Zwei Personen wechselten nach dem Mittag, als wir wieder in See stachen. Die Kayaktour wurde allerdings drastisch abgekürzt. Wir wollten durch eine Höhle paddeln, die erneut zu einer Lagune führt. Max und Nathan machten den Anfang. Sie hatten beim Hineinsteuern durch den engen Eingang aber einen so bescheidenen Winkel, dass die einströmende Tide sie an die eine Felswand druckte, sie sich oben abstiessen, das Boot seitlich voll lief und sie aussteigen mussten. André und ich waren hinter ihnen und sahen das Unheil mit an. Sie wurden in die Höhle geschwemmt. Sofort ging eine der Guides ins Wasser und schwamm mit großer Anstrengung (sie wurde ebenfalls an die Wand gedrückt) hinterher. Wir anderen blieben zurück und unsere zweite Guidin schwamm auch noch nach. Wir warteten ungeduldig, bis wir ein Lebenszeichen von Andrea bekamen, dass es allen gut geht. Das war passiert: Max und Nathan wurden samt Kayak bis in die Höhle hinten reingeschwemmt. Andrea hielt sich im vorderen Teil auf und Liz war mit hinten im Dunkeln gelandet. Sie schafften es, das Boot auszuleeren, aber nicht, es aus der Höhle zu bekommen. Sie fanden schließlich einen Weg über den Bergkamm zum Aussteigen, so dass sie wieder mit dem großen Boot (auf dem wir anderen bereits waren) ausgefahren werden konnten. Das Kayak sollte am nächsten Tag gerettet werden. Welch eine Aufregung! Zum Glück ging es allen, bis auf ein paar Schnittwunden an den Füßen von den scharfkantigen Muscheln, gut. Für uns war der Kayaknachmittag dadurch jedoch ins Wasser gefallen…aber was will man machen.