Archiv der Kategorie: Kambodscha

Kratie

Nach Kratie Fahrt fährt man nur, um einen Zwischenstopp auf dem Weg nach Laos zu haben. Nach ca. 7h Busfahrt (300km) von Phnom Penh kann man sich hier mal wieder die Beine vertreten. Und Delphine gucken. Aber Kratie ging mit einem „anderen Fisch“ los, nämlich mit dem, der im Gepäckfach des Busses direkt unter meinem Rucksack lag. Wir wurden raus gelassen und wir sahen/rochen das Problem. Der Busfahrer versuchte, das weg zu wischen…versucht das mal mit Fischwasser! Ich erklärte der Meute, die sich mittlerweile aus Tuk Tuk Fahrern gebildet hatte, dass ich meinen Rucksack so nicht tragen könnte, da ja dann meine Klamotten auch nach Fisch riechen würden. Einer der Tuk Tuk Fahrer erklärte sich schließlich bereit, uns zu unserem Guesthouse zu fahren. Prima. Dass sie das irgendwie reinigen konnten, damit hatte hätte ich sowieso nicht gerechnet. Ich räumte alles raus und stellte mich mit dem Rucksack unter die Dusche. Nach einer ganzen Weile Schrubben, meinte ich, es riecht nicht mehr so sehr nach Fisch und ließ den Rucksack in der Sonne trocknen. Als wir von den Delphinen wiederkamen, war der Rucksack trocken. Er riecht allerdings immer noch nach Fisch und einige der Sachen drin auch…ich werde wohl bis ans Ende der Reise an diese Busfahrt denken :(.
Aber zu den Delphinen: Wir wurden mit einem Boot rausgepaddelt. Aber schon vom Ufer aus sahen wir die ersten Tiere. So wie auf dem Foto, wo sie springen, war es allerdings nicht…sie tauchten immer mal wieder mit ihrem Rücken auf und dann aber auch schnell wieder ab. Aber wir hatten sie gesehen…ca. acht von den insgesamt nur noch 5000 lebenden Exemplaren der besonderen Irawadi Delphine. Eine Stunde hatten wir Zeit, bevor es zurück ans Land ging.

 

Phnom Penh

So richtig durchschlafen konnte ich erst wieder in Phnom Penh bei zu kalter Luft durch die Klimaanlage. Wir hatten zwei Tage zur Stadterkundung eingeplant, was auch völlig reichte. Am ersten Tag waren wir zu Fuß unterwegs und schauten uns den Königspalast und die im Gelände befindliche Silberpagode an. Die Silberpagode heißt so wegen ihrer Silberkacheln auf dem Fußboden, die man durch den Teppich allerdings gar nicht sieht ;). Das ganze Gelände strotzt vor Prunk…sehr schön anzusehen. Allerdings zeigt es auch wunderbar die große Kluft zwischen Arm und Reich. Nach einem Mittagsschläfchen liefen wir zum Wat Phnom, den namensgebenden Hügel der Stadt mit Tempel. Die grüne Lunge von Phnom Penh war allerdings nicht so berauschend. Am meisten bewegt hat uns das Schicksal mehrerer 100er Singvögel, die in kleinen Käfigen eingesperrt waren und darauf warteten, freigelassen zu werden. Für 1 Dollar pro Vogel konnte man ihre Freiheit erkaufen. Als wir kamen, hatten gerade reiche Asiaten für ca. 150 Dollar Vögel gekauft und ließen die zum Teil gar nicht mehr richtig fliegen könnenden Vogel frei. Kaum war das der Fall, schwubbs, war schon ein neuer Käfig da. Brutal.

Brutal war auch das, was wir uns am nächsten Tag ansahen. Zuerst das Gefängnis Tuol Sleng (S-21), wo bis zu 20.000 Leute in der Zeit der Roten Khmer gefangen gehalten, gefoltert und umgebracht wurden. Als zweites fuhren wir mit unseren Moped zu den Killing Fields, wo viele der Gefangenen aus S-21 umgebracht und in Massengräbern verscharrt wurden. Sehr anschaulich mit Bildern, Texten und Audioguide wird man mit den grausamen Geschehnissen vertraut gemacht und bekommt einen Einblick von Seiten der Gefangenen, der Mitarbeiter der Roten Khmer und die Befreiung durch Vietnam sowie die Verhandlungen gegen die übrig gebliebenen Kadermitglieder. Besonders erschreckend ist das Ganze, weil es nur 40 Jahre her ist, als dieser Völkermord stattfand, bei dem ein Viertel der Einwohner Kambodschas (man schätzt bis zu 4Mio Tote) getötet wurde. Davon mussten wir uns eine ganze Weile erholen, war es, wenn nicht sogar der deprimierenste und bewegendste Tag auf unserer Tour …

Koh Rong Sanloem

Um einen guten Mix zu haben, war nun wieder Erholungsurlaub angesagt ;). Wir fuhren mit dem Bus und Boot auf die Insel Koh Rong Sanloem, die ruhigere Nachbarinsel von Koh Rong. Eigentlich wollten wir mal wieder schnorcheln, aber so richtig toll war das hier nicht. Die Sicht war recht trüb und die bunten Fische versteckten sich woanders. Aber wir schnorchelten trotzdem…uns kann ja nichts abhalten ;). Nicht einmal die scharfkantigen Muscheln auf den Steinen, die uns beim Rausgehen die Hände und Füße zerschnitten. Zum Glück gab’s auch keine Haie ;). Da die Schnorchelgänge nicht so ausgedehnt waren, hatten wir Zeit zum Nichtstun. Das taten wir meist bei unserem Bungalow mit Meerblick. Der hat nämlich auch eine tolle Terrasse mit Hängematte. Leider war der schöne Strand nicht zwischen unserem Bungalow und dem Meer, dafür hatten wir tolle Sonnenuntergänge. Strom gab es jeweils nur zwischen 6 und 11 Uhr abends, so dass mir der nachts fehlende Ventilator Schlaflosigkeit wegen Überhitzung einbrachte.

Battambang

Nach so viel Kultur, war mal wieder etwas anderes angesagt. Wir fuhren nach Battambang. Das Vormittagsprogramm sah den Bambootrain vor. Unser persönlicher Tuk Tuk Fahrer für den Tag brachte uns zum Bahnhof von dem ehemaligen Transportzug. Heute wird er nur noch für Touristen eingesetzt, um ein paar Dollar zu verdienen. Ca. 20 Minuten wurden wir auf krummen Gleisen in die Gegend gefahren. Am Ende warteten Stände auf uns, an denen man etwas trinken muss, äh kann…die gleiche Strecke ging es wieder zurück. Witzige Sache, nur schade, dass man sozusagen genötigt wird, etwas zu kaufen und penetrant gebettelt wird, dass man dem Fahrer ein Trinkgeld gibt.
Am Nachmittag holte unser Tuk Tuk am Hotel ab und wir fuhren Richtung Phnom Sampeu. Dort liefen wir den Berg hinauf. Zuerst kamen wir an der Killing Cave vorbei, wo Knochen von Opfern der Roten Khmer aufbewahrt werden. Vorbei an einem riesigen goldenen Buddah erreichten wir den Gipfel von Phnom Sampeu. Hier gibt es mehrere kleine Tempel, aber besser noch ist der weite Blick in die umgebende Ebene. Uns blieb allerdings nicht viel Zeit, denn die Fledermäuse warten nicht…Am Fuße des Berges gibt es eine Fledermaushöhle, aus der Millionen Fledermäuse jeden Tag am späten Nachmittag herausfliegen. Wir warteten eine ganze Weile, sahen sie aber am Höhleneingang kreisen. Nachdem immer mal eine rausflog um zu gucken, ging es auf einmal los…Der Strom der Fledermäuse flog in Richtung Felder und wollte gar nicht mehr abreißen. Wir betrachteten eine Weile das unglaubliche Naturspektakel, bevor wir zurück fuhren. Das aber nicht, ohne nochmal an den Feldern zu halten und entfernt die Schwärme der Flugtiere zu beobachten. Von Weitem sah das aus wie wabernde Bienenschwärme. Wir haben ja schon viele Fledermäuse auf unserer Reise gesehen, aber das war nochmal besonders toll.

Siem Reap

Zwei Tage haben wir uns für Siem Reap und die berühmten Tempel von Angkor Zeit genommen. Mehr hätten wir auch nicht vertragen.
Den ersten Tag hatten wir zwei Fahrräder ausgeliehen. Endlich mal wieder Fahrrad fahren. Am Abend taten uns unsere Hintern weh, dass wir beschlossen, uns den zweitenTag anders fortzubewegen. Aber dazu später. Wir fuhren die kleine Runde und rollten das ganze von hinten auf. Das heißt, wir fuhren den Massen entgegen. Trotzdem waren es noch genug.
Das Ticket dachten wir, bekommen wir auf einer der beiden Zufahrtsstrassen. Pustekuchen. Es gab zwar einen Checkpoint, aber keinen Verkauf. Sie boten uns an, für zwei Dollar pro Ticket jemanden loszuschicken, der uns mit dem Motorrad die Tickets kauft. Nein. Nicht wegen dem Preis, aber aus Prinzip. Wie hätten ja auch jemanden hinsetzen können, der Tickets verkauft. Aber sie spekulierten auf Leute wie uns und die meisten wollen sicher bei der Hitze nicht die 4km zurück und auf der Parallelstrasse nochmal hinter fahren. Wir taten das.
Mit den Besichtigungen starteten wir am Ta Phrom, dem Tempel, in dem Lara Croft in Tomb Raider gespielt hat. Wir wandelten durch das Gelände und fanden immer neue schöne Ecken. Die Touristenmassen machten das Ganze aber nicht auszuhalten. Kein Foto ohne Leute und die berühmten Punkte waren mit Plattformen und Seilen gesichert. Das tat der Mächtigkeit und der Wildheit Abbruch.
Wir fuhren weiter zu den kleineren, unbekannteren Tempeln von Ta Keo, Ta Nei, Thomannon und Chau Say Tevoda. Hier war nicht ganz so viel los, was uns sehr gefiel. Die Tempel sind zum Teil schon sehr zerfallen. Man kann sich aber die Schönheit noch vorstellen und die Bauleistung für die damalige Zeit (um 1 000) ist bewundernswert.
Jetzt ging es wieder zu den Touristenmassen…Wir fuhren zum großen Angkor Thom Komplex und sahen uns dort um. Der darin befindliche Bayon Tempel ist wunderschön und auch noch gut erhalten. An unzähligen Türmen findet man große Gesichter, die alle lächeln. Er ist sehr verschachtelt und besitzt mehrere Etagen.
Dann reichte es uns für heute und wir verschoben Angkor Wat auf morgen früh.


Wir mieteten uns ein Moped. Das klingt normal, ist es aber nicht, da man in Siem Reap als Tourist normalerweise keins ausleihen darf. Anscheinend gibt es aber immer mehr Ansätze, dass es doch geht. So waren wir zum Sonnenaufgang im Angkor Wat. Die Sonne ging ein wenig neben dem Tempel auf, was es nicht ganz so beeindruckend machte. Aber schön. Nach der Besichtigung machten wir uns auf die große Runde und sahen uns weitere kleine Tempel an. Die waren zum Teil schöner als die großen, einfach weil wir hier fast allein waren. Den Nachmittag verbrachten wir im gekühlten Hotelzimmer (mit dem Moped kein Problem) und fuhren zum Sonnenuntergang Richtung Phnom Bakheng, wo alle sein würden. Leider ist hier Sonnenunterganggucken eher Nachmittagssonnegucken, denn die Tempel machen 17:30Uhr zu. Wir kamen also nicht mehr rein. Nach Angkor Wat konnten wir uns noch schmuggeln, so dass wir noch ein paar schöne Blicke erhaschen konnten, bevor man uns mit Trillerpfeifen rausschmiss. Keine Ahnung, wie die Sonnenuntergangsbilder, die man im Netz findet, entstanden sind…